Es gibt sie noch, die kleinen und großen Wunder die uns staunen lassen. Die in der verzwicktesten Situation Hoffnung geben. Und die uns in harten Zeiten weiter machen lassen. Und genau diese Wunder haben wir in diesem Jahr erlebt, wenn aus kleinen zerbrechlichen Katzenbabies, große und mutige Katzen geworden sind. Wenn aus Krankheit wieder ein neues Leben entstanden ist. Und wenn dem Tod Geweihte tapfer am Leben festhalten, weil es sich lohnt zu kämpfen und weil die Zeit des Abschiednehmens einfach noch nicht gekommen ist. So wie bei unserem Blinky… Wir wünschen euch und euren Lieben wunderschöne Weihnachtstage und ein neues Jahr voller Hoffnung und Tatendrang. Danke, dass ihr an unserer Seite seid und Katzen nicht im Stich lasst. Eure DOMA Istria family
Ein schnurrendes Weihnachtswunder
Ich erinnere mich nicht an den Tag, an dem ich geboren wurde – nur an das Gefühl: Kälte. Und an den Geruch von feuchter Erde, altem Holz und der großen, lauten Welt, die nicht darauf wartete, dass ein kleiner Kater erst einmal wachsen musste.
Ich war einfach da.
Ich lernte früh, dass niemand meinen Namen rufen würde. Ich kannte die Wege zwischen Zäunen wie andere die Wege zwischen Zimmern. Ich wusste, welche Mülltonne zuerst geöffnet wird, wenn Menschen nach Hause kommen. Ich wusste, wo die Sonne am Nachmittag ein kleines Stück Wärme auf die Steine legte – und wo nachts der Wind wie eine Pfote nach mir schlug.
Mein Leben war eigenständig. Frei, sagen manche. Aber Freiheit hat Krallen, wenn man hungrig ist.
Die Jahre gingen vorbei wie Schatten, die immer länger werden. Irgendwann wurden meine Schritte vorsichtiger. Meine Knochen knirschten leise bei jedem Sprung, der früher nichts war als ein Lufthüpfer. Ich fror schneller, sogar an Tagen, an denen die Sonne mich früher satt und schläfrig gemacht hätte. Der Hunger wurde nicht mehr nur ein Ziehen im Bauch, sondern ein ständiges Pochen – wie eine Erinnerung daran, dass ich nicht mehr so gut jagen konnte wie früher. Und dann kam dieser eine Tag.
Ich sah sie aus der Ferne.
Eine junge Frau – mit hochgekrempelten Ärmeln, Staub in den Haaren und einem Blick, der nicht wegwich. In meiner Nachbarschaft stand ein altes Haus, das sich schon fast aufgegeben hatte: zerfallen, morsch, ein Gerippe aus Holz und Geschichten. Viele gingen daran vorbei, als wäre es unsichtbar.
Sie nicht.
Ich beobachtete sie. Erst nur an einem Tag. Dann am nächsten. Und am nächsten. Ich lag im Schatten, zwischen Brombeerranken und den Resten eines Zauns, und sah zu, wie sie das Haus berührte, als hätte es noch Hoffnung. Sie schleppte Bretter, fegte Schutt, reparierte, lachte manchmal kurz – so ein Lachen, das sagt: Das wird schon. Irgendwie.
Aus dem zerfallenen Haus wurde langsam etwas anderes. Ein Ort, an dem man bleiben könnte. Ein Zuhause.
Ich bewunderte sie. Nicht, weil sie stark war – sondern weil sie nicht aufgab.
Während sie das Haus aufbaute, baute sich in mir eine Frage auf:
Wie fühlt sich das an – sicher zu sein?
Doch meine Welt wurde kleiner. Meine Schmerzen größer.
Eines Abends zitterte ich so sehr, dass selbst mein Fell mich nicht mehr wärmen konnte. Ich lag zusammengerollt in einem Winkel, den ich früher „mein Platz“ genannt hatte, und begriff: Wenn ich jetzt nichts ändere, endet meine Geschichte still, irgendwo zwischen Regen und Gras.
Also ging ich am nächsten Tag auf sie zu.
Nicht stolpernd – ich wollte Würde behalten. Aber meine Beine verrieten mich. Jeder Schritt brannte.
Sie drehte sich um, sah mich – und in ihrem Gesicht geschah etwas, das ich nicht gewohnt war: kein Wegscheuchen, kein genervtes Schnalzen, kein „Hau ab“. Nur ein leises Einatmen, als hätte sie etwas lange Erwartetes gefunden.
Sie kniete sich hin. Langsam. So, dass ich nicht fliehen musste.
„Na, du kleiner Kerl…“, flüsterte sie.
Und zum ersten Mal seit ich denken konnte, fühlte ich: Jemand sieht mich.
Sie nahm sich meiner kleinen Seele an, als wäre sie etwas Wertvolles, etwas Zerbrechliches. Ihre Hände rochen nach Holz und Arbeit, aber auch nach Wärme. Ich ließ es zu – denn ich hatte keine Kraft mehr, stark zu tun.
Beim Tierarzt roch es nach Angst und Desinfektion. Ich kannte solche Orte nicht, und doch fühlte ich, dass hier etwas entschieden werden würde.
Der Mensch dort – der Tierarzt – schaute lange in mein Maul, tastete meinen Körper ab, hörte in mich hinein wie in eine Uhr, die nicht mehr richtig tickt. Sein Gesicht wurde ernster.
„Kaputte Zähne“, sagte er. „Kranke Nieren… und noch einiges mehr.“
Die junge Frau hielt mich fest, als wäre ich ein Stück Leben, das man nicht fallen lassen darf.
Dann hielt der Tierarzt inne. Er runzelte die Stirn, als würde er etwas nicht glauben wollen. Und schließlich sagte er diesen Satz, der wie ein kalter Stein in den Raum fiel:
„Und… ich finde mehrere Gewehrkugeln in seinem Körper.“
Ich spürte, wie die junge Frau ganz still wurde. Nicht, weil sie plötzlich keine Kraft mehr hatte – sondern weil Traurigkeit manchmal zuerst ganz leise kommt.
Der Tierarzt sah sie an.
„Viel Zeit wird ihm wohl nicht mehr bleiben.“
Ich verstand nicht alle Worte. Aber ich verstand den Ton. Der Ton von Abschied, der schon im Voraus ausgesprochen wird.
Die junge Frau nickte. Traurig, ja. Aber in ihren Augen brannte etwas anderes: Tatendrang. So, wie ich es bei ihr gesehen hatte, wenn sie das Haus wieder zusammensetzte.
„Dann“, sagte sie leise, „machen wir die Zeit, die ihm bleibt, so schön wie möglich.“
Und damit begann für mich ein zweites Leben.
Ich bekam Futter, das nicht erkämpft werden musste. Wasser, das nicht nach Rost schmeckte. Einen Schlafplatz, der trocken blieb, auch wenn draußen der Himmel riss. Sie baute mir ein Außengehege – ein kleines Reich, in dem die Welt zwar zu sehen war, aber nicht mehr an mich herankam wie ein Feind.
Die Tage wurden weicher. Meine Wunden heilten nicht alle – manche Geschichten bleiben im Körper – aber ich wurde leichter. Meine Schmerzen wurden weniger laut. Und irgendwann passierte das Unglaubliche:
Nach einer Zeit der Genesung durfte ich sogar mit ins Haus.
Ich, der sein Leben zwischen Dornen und Schatten geführt hatte, trat über eine Schwelle, die sich anfühlte wie ein Zauber: drinnen war es warm. Drinnen roch es nach Essen und Decken und diesem besonderen Duft von Zuhause, den man nicht erklären kann, weil er aus allem besteht, was Liebe hinterlässt.
Ich erlebte den vielleicht ersten Sommer in Sicherheit und Geborgenheit. Ich lag in Sonnenflecken auf dem Boden, ohne dabei ein Auge offen halten zu müssen. Ich hörte Stimmen, die freundlich waren. Ich lernte andere Tiere kennen – Katzen, die nicht nach Kampf rochen, und Hunde, die zwar groß waren, aber sanfte Herzen hatten. Wir wurden schneller Freunde, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Denn wenn ein Wesen einmal wirklich hungrig war, dann erkennt es Wärme sofort.
Und dann kam Weihnachten. MEIN Weihnachten.
Es war draußen kalt, aber nicht die Kälte, die dich klein macht. Eher die Kälte, die die Sterne klarer leuchten lässt. Drinnen knisterte ein Kamin. Das Feuer klang wie ein leises Lied, das nur für mich gespielt wurde.
Ich lag davor, eingerollt, satt, mit müden Knochen – ja. Krank – ja. Alt – ja. Aber nicht allein.
Um mich herum war meine neue Familie: Menschen, Katzen und Hunde. Ein Kreis aus Atem und Wärme, aus Blicken, die sagten: Du gehörst dazu.
Und ich dachte an das alte Haus. An die Frau, die aus dem Zerfall ein Zuhause gemacht hatte. Und ich begriff, dass sie nicht nur Bretter und Steine repariert hatte.
Sie hatte auch mich wieder aufgebaut.
Vielleicht war das das Märchen:
Dass ein kleiner Kater, der immer nur selbstständig sein musste, am Ende lernen durfte, getragen zu werden.
Dass man selbst mit Kugeln im Körper noch einen Platz am Kamin finden kann.
Dass selbst, wenn nicht viel Zeit bleibt, die verbleibende Zeit groß werden darf – groß wie Liebe.
Und genau das wünschen wir euch auch:
Fröhliche Weihnachten im Kreise eurer Lieben – mit dem Wissen, dass manchmal doch noch Wunder geschehen. 🎄












